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Franz Karl Basler-Kopp
The Lucerne Fairy-Tale Painter 1879 – 1937

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Der Maler

F.K. Basler-Kopp mit seiner Frau Julia
F.K. Basler Kopp mit seiner Frau Julia, der Tochter des Rektors und Inspektors der Stadtschulen Luzern und der kaufmännischen Berufsschule Luzern, Johann Baptist Kopp

Das Schaffen von Franz Karl Basler-Kopp, dem Märchenmaler, wie er oft genannt wurde, wird von Dr. Paul Hilber, dem damaligen Konservator des Kunstmuseums Luzern, in seinem Nachruf im "Vaterland" 1937 folgendermassen gewürdigt: "Basler-Kopp war als Künstler ein spät geborener Romantiker, den es aus dem Innersten zur Weiterführung jener künstlerischen Elemente trieb, die in Spitzweg, Welti, Böcklin einst ihre grosse Erfüllung gefunden hatten. Er wusste, dass die Aktualität über solches künstlerisches Denken und Gestalten hinwegschritt, deshalb zog er sich in eine stille Klause des Schaffens zurück, in der er Jahre hindurch ein illustratives Märchenwerk höchst eigener Empfindung schuf, vertrauend auf die inneren Werte unserer literarischen Edelsteine der Volkspoesie."

Und im Vorwort zur Gedächtnisausstellung von 1938 schreibt Paul Hilber: "Er fand seine besonderen Anlagen zum Erzähler und Illustrator, lebte sich in die phantasiereiche Welt der Märchen und Sagen ein, aus ihrem Stoffe jedoch ein überaus menschlich empfundenes und reflektierendes Gestalten herausholend. Wie sehr sich Basler-Kopp mit seinen Themen innerlich auseinandersetzte, das beweisen seine bildfertigen Zeichnungen, die in ihrer künstlerischen Selbständigkeit neben den Ölbildern bestehen, zu denen sie vielfach Vorstudien sind. In dieser verinnerlichten Welt der traumhaft-romantischen Figurenspiele hat Basler-Kopp seinen eigenen Stil gefunden, der, an Spitzweg und andere Romantiker anlehnend, sich zu einem persönlichen Gestaltungsgut entwickelte. Seine Stoffwelt schuf ihm seine Gemeinde, ähnlich, wie dies beim Berner Kreidolf der Fall ist. Sie machte ihn als Illustrator von Sagenwerken besonders geeignet, weshalb ihn der Verlag Sauerländer in Aarau und andere zu ihren ständigen Mitarbeitern erkoren."

Basler-Kopp hat sich zwar nie bewusst einer Stilrichtung, einer „Schule“, angeschlossen und auch keine Kontakte zu anderen Malern unterhalten. Er hat aber bei seinen Studien vor allem in München und Dresden, aber auch bei kürzeren Aufenthalten in Hamburg und Stuttgart eine Vielzahl von Werken alter und neuer Meister gesehen und studiert. Bekannt ist auch, dass er regelmässig und intensiv die einschlägigen Kunstzeitschriften studierte. Er war über die Strömungen seiner Zeit zweifellos genau im Bild.

Basler-Kopp hatte, abgesehen von der durch Krankheit oft unterbrochenen Ausbildung zum Glasmaler, keine künstlerisch-handwerkliche Schulung genossen, erst recht nicht in theoretischen Fächern. Er bildete sich nach Beendigung der Kunstgewerbeschule ausschliesslich durch Besuche von Kunstsammlungen und anhand einschlägiger Zeitschriften und Fachliteratur weiter.

Basler-Kopp auf den „Märchenmaler“ zu reduzieren, würde seinem Werk nicht gerecht. Sicher machen seine Märchen- und Sagendarstellungen einen substanziellen Teil seines Schaffens aus, doch bezog er die Motive für seine Werke auch aus Romanen, Legenden und Novellen, malte alt- und neutestamentliche Themen aus der Bibel und geschichtliche Ereignisse, daneben aber auch, wenngleich selten, landschaftliche Motive. Der weitgespannte Bogen der Themen seiner Bilder lässt auf Belesenheit nicht nur in der deutschen, sondern auch in der russischen, der dänischen und der schwedischen Literatur schliessen. Da er häufig seine Bilder nicht betitelte und auch nicht immer für das Motiv eindeutige, typische Szenen zur Darstellung herausgriff, ist bei vielen von ihnen heute das zu Grunde liegende Motiv nicht mehr oder (noch) nicht mit Sicherheit zu benennen.

Der Schlangenbanner
Illustration zur Dottikoner Sage "Der Schlangenbanner" aus den "Schweizersagen" von A. Büchli

Statt einer eigenen, künstlerischen Beurteilung von Basler-Kopp, zu der wir uns nicht berufen fühlen, lassen wir mit Ferdinand Avenarius, dem damaligen Herausgeber des „Kunstwart“, einen kompetenten Zeitzeugen zu Wort kommen. Dieser hat ihm in seiner Zeitschrift (Kunstwart 1921, Heft 11, p 311) im Zusammenhang mit dem Abdruck von zweien seiner Bilder, nämlich „Schwanenjungfrauen“ und „Moorhexe“, einen kurzen Artikel gewidmet. Schon etwas früher, nämlich im Jahre 1916 (Kunstwart 1916, Heft 29, p 96), hatte sich Avenarius anlässlich der Publikation des Ölbildes „Lauelenschratt“ kurz zum Maler geäussert und diesen, wenn auch nicht direkt mit Arnold Böcklin verglichen, so doch in dessen Nähe gerückt.

Typisch für die Bilder von Basler-Kopp sind einige Eigenheiten:

Gewisse Motive liessen ihn nie los, und er stellte sie abgewandelt und in verschiedenen Techniken immer wieder dar. So zum Beispiel malte er mehrere Male Schwanenjungfern, Meerjungfrauen, arme Seelen in den Gletschern, das Nirvana, Jungbrunnen, die Heiligen Drei Könige und Rübezahl bzw. Rubinzagal.

Neben den in freiem Schaffen entstandenen Werken hat er doch einige Jahre, vielleicht sich besinnend auf seine ihm eigenen Stärken als Illustrator, auch auf Auftrag für den Sauerländer-Verlag, Aarau, gearbeitet. Beispiele für die aus dieser Zusammenarbeit entstandenen Zeichnungen finden sich unter "Seine Bücher" auf dieser Website. Zudem hat er offenbar, obschon er eine feste Dauerstellung als Märchenzeichner bei den "Münchner Fliegende Blätter" abgelehnt hatte, auch für diese mehrere Arbeiten gemacht. Leider haben wir bisher davon keine Beispiele gefunden.

Kunstwart 1921, Heft 11, p 311

Moorhexe
Moorhexe
Schwanenjungfrauen
Schwanenjungfrauen

Die beiden Bilder "Moorhexe" (links) und "Schwanenjungfrauen" (rechts) erschienen im Kunstwart 1921, Heft 11, p 311. Sie wurden von Basler nach einer Ausstellung von 1912 speziell im Hinblick auf diese Ausstellung gemalt. Das Bild "Schwanenjungfrauen" befindet sich in Privatbesitz in Luzern und konnte für diese Website fotografisch in Farbe erfasst werden. Die "Moorhexe" hingegen ist verschollen. Die nebenstehende Abbildung ist eine Reproduktion der Schwarzweiss-Wiedergabe aus dem Kunstwart.

Ferdinand Avenarius schrieb anlässlich der Publikation dieser Bilder im Kunstwart:

"Die Hexe von diesem Heft ist eine alte Dame nicht nur von Distinktion, sondern auch von Eigenart. Oder nicht? Bin bloss ich so angelegt, dass mir ihre Grandezza, wie sie da in der Sonntagsrobe heimkehrt, und ihre Villa im Sumpf und das Bäumli rechts und die Gegend und das Licht über der Gegend als etwas wirklich Besonderes vorkommen, so 'extra' und so traumlebendig gesehen, wie man derlei von Basler-Kopps Landsleuten Keller oder Böcklin oder Welti erwarten könnte? Ich vermute doch: der Leser nickt und denkt, Böcklins und Weltis Verwandte gedeihen also noch in der Schweiz. Gedeihen sie wirklich? Wie Eggimann und noch ein paar andre lebt auch Basler-Kopp als Aussenseiter, von der Kunstmode übersehen oder höchstens 'geduldet'. Denn wie bei uns ist die Kunstmode in der Schweiz jetzt nur auf eine Art von Bildnerei eingestellt, die dem Artisten Malkunst schlechtweg bedeutet.

Es ist wahr, dass für Basler-Kopp das im engeren Sinn Malerische überhaupt nicht im Mittelpunkt seines Schaffens steht und mitunter ganz gewiss allzu abseits vom Zentrum, es ist auch zuzugeben, dass er gelegentlich sogar nüchtern wird, wie z.B. in manchen Einzelheiten der 'Schwanenjungfrauen', die unser Bild hinten im Hefte wiedergibt. Aber ist denn das Publikum von heute so phantasielos, dass es über ein paar schlafende Stellen nicht hinwegsehen kann, da einstens doch sogar Homer dann und wann einnicken durfte? Dass man auch dann immer mit der Nase an solchen Stellen hangen bleibt, wenn ein Aufflug zu wirklichen Höhen trüge? Durch das Bild von den Schwanenjungfrauen geht ein Aufflug. Man folge der lichten Flügeldiagonale nur mit willig hingebendem Gefühl, und sie trägt einen. Trotz den kleinen Misslungenheiten ist Grösse darin. Dem Willigen wächst diese Landschaft, bis plötzlich ein eigenartiges Erlebnis da ist.

Ein Grosser? Nein, das ist er nicht, der gute Meister Franz Karl Basler-Kopp von Luzern. Er hat auch niemals vorgespiegelt, einer zu sein. Wo hätte er Pose? Anderseits: wo liesse er sich von einer 'Richtung' mit der Herde treiben? Kein Bild von ihm, das nicht seines wäre! Ein Echterist er nämlich, dieser Malerpoet. Wenn die Kritik erst wieder beide Augen haben und ihn womöglich gar wieder brillenlos sehen kann, dann wird sie ihn finden."

Kunstwart 1916, Heft 29, p 96

Lauelenschratt
Lauelenschratt

Das Bild "Lauelenschratt" erschien im Kunstwart 1916, Heft 29, p 96. Es wurde von Basler nach einer Ausstellung von 1912 speziell im Hinblick auf diese Ausstellung gemalt. Es ist verschollen. Die nebenstehende Abbildung ist eine Reproduktion der Schwarzweiss-Wiedergabe aus dem Kunstwart.

Ferdinand Avenarius schrieb anlässlich der Publikation dieses Bildes im Kunstwart:

"Franz Karl Basler-Kopp ist einer der Schweizer, die beweisen, dass die Familie Böcklin noch lebt. Nicht etwa, dass er Meister Arnold nachmachte; Böcklins Faune haben nichts weiter mit diesem hier gemein, als was ein Faun mit einem Bergschrat sozusagen als Berufsanzug gemein hat. Aber die Naturstimmung, das Herauswachsen der Gestalt aus der Landschaft, und das, was in diesem Bockgesicht von Tod liegt, das hat gemeinsamen Boden mit Böcklinscher Phantasie. Der Ball vom Winter hier oben, der auf dem Wege Lawine wird, der wird drunten, wo Sommer ist, vernichten. Um das Geist-Mensch-Tier ist nicht nur Einsamkeit, sondern auch Verlassenheit, um das Lebendige ist Tod."