Die Hexenhalfter
Kreide auf Papier, 56x46 cm, unten
links der Mitte signiert
Seit 1933 im Besitz des Kunstmuseums Luzern
Basler-Kopp illustriert hier einmal mehr eine Szene aus einer Schweizer Volkssage, nämlich aus der gleichnamigen Entlebuchersage „Die Hexenhalfter“. Der Titel des Bildes stammt von ihm selber. Die Sage findet sich in den „Schweizersagen“ von Arnold Büchli.
Basler erzählt uns vom dramatischen Flug einer Hexen-Sennerin auf dem nachts im Schlaf durch ihr Hexenhalfter in ein Pferd verwandelten Schwager an den Hexensabbat. Die schwindelnde Höhe des Fluges wird betont durch die schon fast groteske Positionierung von Reiterin und Pferd am obersten Rand des hochformatigen Bildes. Hätte die Hexe nicht rote Strümpfe, die den Blick auf sie lenken, man könnte das Wichtigste am Bild fast übersehen. Die restliche Fläche des Bildes ist schiere Höhe, wie eine Adaptation filmischer Ausdrucksmittel, wenn das Auge des Betrachters die roten Strümpfe verlässt und wie das Objektiv einer Kamera am Fels des Feuerstein nach unten gleitet und, schon weit unten, erst den Wipfel einer Tanne findet, die es auch noch hinabzuklettern gilt. Noch sitzt die Hexe auf dem Pferd, aber das wird sich ändern, denn der schlaue Schwager hat sich vorgesehen und zwei gescheite Augen im Kopf, wie die Sage erzählt. So wird schliesslich das Pferd wieder zum Schwager und die Hexe als solche entlarvt.
Basler hatte zu Pferden eine enge Beziehung und liebte sie sehr. Er soll als Kind einmal Schutz vor einem ihm unheimlich erscheinenden, älteren Jungen suchend unter die Pferde seines Vaters gekrochen sein. Dementsprechend gibt es auch eine ganze Reihe von Bildern von ihm, auf denen Pferde eine Rolle spielen („Die Hexenhalfter“, „Die drei Rosse“, „Der Schimmelreiter“, „Jungbrunnen“).
Wann das Bild entstanden ist, ist nicht bekannt. Basler hat aber im Auftrag des Sauerländer-Verlages, Aarau, das dreibändige Werk „Schweizersagen“ von Arnold Büchli illustriert. Die einzelnen Bände dieses Werkes sind in den Jahren 1926, 1928 und 1931 herausgekommen. Es liegt nahe, „Die Hexenhalfter“ im zeitlichen Umfeld dieser Auftragsarbeit anzusiedeln. Es ist denkbar, dass es eines der beiden unter der Bezeichnung „Schweizersage“ an der Ausstellung von 1931 im alten Kriegs- und Friedensmuseum gezeigten Stücke ist. Durch das Kunstmuseum wurde es 1933 erworben.